Zuletzt aktualisiert am März 14, 2025
Jahr der Expedition: 330 v. Chr. (Reisedauer insgesamt ca. 6Jahre)
Leitung der Expedition: Pytheas von Massalia (griechischer Geograf)
Beteiligte Länder: Griechenland
Expeditionsteilnehmer: Pytheas von Massalia Geograf / Leiter – Griechenland
Fahrzeug: Segelschiff
Primäres Ziel:
Handelswege in Nordeuropa und den Britischen Inseln finden. Er will feststellen, wie weit sich die von Menschen bewohnte Welt erstreckt und wo Polarkreis und Pol liegen. Die Griechen glauben schon damals an die Kugelgestalt der Erde.
Sekundäres Ziel:
Neugierig geworden, macht er sich auf den abenteuerlichen Weg polwärts in die bis dahin noch unerforschten Gebiete. Mit seinem Segelschiff gelangt er schließlich bis zum Polarkreis und macht erste Beobachtungen zur Mitternachtssonne und dem Packeis.
Pytheas von Massalia: Der vergessene Entdecker des Nordens
Einleitung
Pytheas von Massalia gehört zu den bedeutendsten, aber auch rätselhaftesten Entdeckern der Antike. Seine Reise in den hohen Norden Europas im 4. Jahrhundert v. Chr. war eine Pioniertat, die erst viele Jahrhunderte später in ihrer vollen Bedeutung gewürdigt wurde. Obwohl sein Werk Über den Ozean (griechisch: Peri tou Okeanou) verloren gegangen ist, haben spätere Autoren wie Strabon, Plinius der Ältere und Diodor von Sizilien Fragmente seiner Berichte überliefert. Pytheas‘ Beobachtungen über die britischen Inseln, die Gezeiten und die rätselhafte Insel Thule sind von großer historischer und wissenschaftlicher Bedeutung. Seine Berichte erweiterten das Wissen der Griechen über die Welt erheblich und inspirierten spätere Generationen von Geographen und Entdeckern. Dieser Aufsatz beleuchtet Pytheas‘ Leben, seine Entdeckungen, seine wissenschaftlichen Beiträge sowie die Rezeption seiner Berichte durch spätere Generationen.
Pytheas‘ Herkunft und die Stadt Massalia
Pytheas wurde in der griechischen Kolonie Massalia geboren, dem heutigen Marseille in Südfrankreich. Massalia war eine bedeutende Handelsstadt, die um 600 v. Chr. von phokäischen Griechen gegründet wurde. Sie war bekannt für ihre Seefahrt, ihren Wohlstand und ihre intellektuelle Blüte. In dieser lebendigen Hafenstadt mit regem Austausch von Waren und Wissen erhielt Pytheas vermutlich eine umfassende Ausbildung in Astronomie, Mathematik und Geographie. Es wird angenommen, dass er ein erfahrener Seefahrer und Navigator war, bevor er seine große Entdeckungsreise unternahm. Die Massalioten waren hervorragende Kartographen und hatten bereits enge Handelsbeziehungen mit den Küstenregionen Westeuropas. Ihr Wissen um Navigation und Handel war ein bedeutender Faktor, der es Pytheas ermöglichte, sich auf eine solch gewagte Expedition zu begeben.
Die Reise des Pytheas
Etwa um 325 v. Chr. begab sich Pytheas auf eine Expedition in den Norden Europas. Die genauen Gründe für seine Reise sind unklar, aber es wird vermutet, dass er im Auftrag massaliotischer Händler nach neuen Handelsrouten für Zinn und Bernstein suchte oder dass er rein wissenschaftliches Interesse verfolgte. Seine Reise unterschied sich von anderen Entdeckungsfahrten seiner Zeit dadurch, dass sie nicht primär militärischer oder kolonialer Natur war, sondern der Forschung diente.
Die Umrundung Britanniens
Pytheas soll zunächst entlang der Atlantikküste Spaniens gesegelt sein, bevor er Britannien erreichte. Er war der erste bekannte Grieche, der eine detaillierte Beschreibung der Insel gab. Er schätzte den Umfang Britanniens auf etwa 40.000 Stadien (rund 7.400 km), eine bemerkenswert genaue Annäherung. Zudem berichtete er über die dortigen landwirtschaftlichen Praktiken, die Lebensweise der Kelten und den Handel mit Zinn aus Cornwall. Seine Beschreibungen enthielten auch Informationen über die klimatischen Bedingungen, die damals für mediterrane Geographen von besonderem Interesse waren.
Pytheas berichtete auch über die politischen Strukturen der britischen Stämme und beschrieb ihre Sitten und Gebräuche. Er stellte fest, dass die Briten ihre Felder mit Weizen bebauten und diesen in unterirdischen Speichern lagerten, um ihn gegen die kalten und feuchten Winter zu schützen. Er war einer der ersten, der die kulturellen Unterschiede zwischen den Völkern des Mittelmeerraums und den Bewohnern Nordeuropas festhielt.
Thule – Die geheimnisvolle Insel im Norden
Eines der faszinierendsten Elemente von Pytheas‘ Bericht ist seine Beschreibung von Thule, einer Insel, die er sechs Tagesreisen nördlich von Britannien verortete. Er beschrieb ein Land, in dem die Sonne im Sommer fast nie unterging und das Meer teilweise von einer eigentümlichen Substanz bedeckt war, die weder ganz Wasser noch ganz Erde war. Viele Historiker und Geographen haben versucht, Thule zu identifizieren, wobei Island, Norwegen, die Shetlandinseln oder gar Teile Grönlands als mögliche Kandidaten genannt wurden. Pytheas war somit der erste bekannte Forscher, der sich der Polarregion näherte und dabei die arktischen Lichtverhältnisse und das gefrorene Meer beschrieb.
Ein besonders bemerkenswertes Detail in seinen Berichten über Thule ist die Erwähnung einer Region, in der das Meer wie eine gallertartige Masse erschien. Diese Beschreibung könnte sich auf das Packeis oder auf eine Mischung aus Treibeis und Schnee beziehen. Seine Schilderung war ihrer Zeit so weit voraus, dass viele antike Geographen sie als Fantasie abtaten.
Beobachtungen über die Gezeiten
Ein weiterer bedeutender Beitrag Pytheas‘ war seine Beschreibung der Gezeiten und deren Zusammenhang mit dem Mond. Während frühere Kulturen die Gezeiten beobachtet hatten, war Pytheas einer der Ersten, die eine wissenschaftliche Erklärung lieferten. Seine Erkenntnisse wurden später von Hipparchos und Ptolemäus aufgegriffen. Pytheas war vermutlich der Erste, der dokumentierte, dass die Stärke der Gezeiten mit der Mondphase variierte, eine Beobachtung, die später zur Grundlage für die moderne Ozeanographie wurde.
Die wissenschaftliche Bedeutung von Pytheas
Pytheas war nicht nur ein Entdecker, sondern auch ein Wissenschaftler. Er nutzte astronomische Methoden, um Breitengrade zu berechnen, und bestimmte den Breitengrad von Massalia mit bemerkenswerter Genauigkeit. Seine Methode basierte auf der Messung des Sonnenstands zur Mittagszeit, ein Verfahren, das später in der Kartographie und Navigation weiterentwickelt wurde.
Ein weiteres bemerkenswertes Element seiner Forschung war seine Schilderung der Mitternachtssonne. Damit war er einer der ersten Gelehrten, die systematische Informationen über die arktische Region lieferten. Seine Berichte zeigen, dass die Griechen bereits in der Antike ein erhebliches Wissen über die Welt jenseits des Mittelmeers ansammelten.
Pytheas‘ Reise war auch in anderer Hinsicht revolutionär: Sie zeigte, dass die bekannte Welt größer war als bisher angenommen. Seine Erkenntnisse beeinflussten die spätere antike Kartographie und veränderten die Vorstellung der Griechen von den äußersten Regionen Europas.
Skepsis und spätere Rezeption
Obwohl Pytheas‘ Berichte späteren Generationen wichtige geographische und meteorologische Informationen lieferten, stießen sie in der Antike auf Skepsis. Strabon, ein griechischer Geograph des 1. Jahrhunderts v. Chr., hielt Pytheas für einen Lügner und stellte seine Berichte infrage. Plinius der Ältere hingegen war offener gegenüber Pytheas‘ Erkenntnissen und zitierte ihn in seinem Werk Naturalis Historia. Auch der römische Geograph Pomponius Mela nahm Bezug auf Pytheas.
Die Skepsis gegenüber Pytheas resultierte vermutlich aus der Tatsache, dass seine Erkundungen weit über die damalige bekannte Welt hinausreichten. Viele antike Gelehrte konnten sich die von ihm beschriebenen Phänomene, wie das gefrorene Meer oder die langen Sommernächte im Norden, nicht vorstellen. Erst in der Neuzeit wurden seine Berichte durch moderne geographische und klimatische Forschungen bestätigt.
Fazit
Pytheas von Massalia war einer der mutigsten und innovativsten Entdecker der Antike. Seine Reise in den hohen Norden Europas lieferte wertvolle geographische und wissenschaftliche Erkenntnisse, die erst Jahrhunderte später ihre volle Würdigung erfuhren. Trotz der Skepsis vieler antiker Gelehrter bleibt sein Beitrag zur Geographie und Astronomie unbestreitbar. Seine Entdeckungen über die britischen Inseln, die Polarregionen und die Gezeiten waren ihrer Zeit weit voraus. Pytheas ist ein Beispiel für den Forschergeist der Antike und verdient es, als Pionier der Wissenschaft und Entdeckungsgeschichte in Erinnerung zu bleiben.
erstellt mit Unterstützung von ChatGPT
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